Fehlergrenzen für geeichte Waagen

Die Anfor­de­run­gen an Waa­gen, sowohl im indus­tri­el­len Seg­ment, in gewerb­li­chen Betrie­ben, aber auch für den pri­va­ten Bedarf, sind hoch. Daher erhält der Käu­fer einer Waa­ge stets die Gewiss­heit, ein mög­lichst prä­zi­ses Wäge­ge­rät zu ver­wen­den, denn er kauft in der Regel geeich­te Waa­gen. Die Eichung der Waa­gen ist gesetz­lich vor­ge­schrie­ben und reicht von Prä­zi­si­ons­waa­gen im Labor oder Indus­trie Umfeld bis hin zu Waa­gen, die auch bei schwe­ren Las­ten opti­mal funk­tio­nie­ren müs­sen. Auf allen Gebie­ten dür­fen Käu­fer äußers­te Prä­zi­si­on erwar­ten. Nun ist es jedoch so, dass auch moderns­te geeich­te Waa­gen nicht ohne gerin­ge Feh­ler­gren­zen aus­kom­men. Dies weiß auch der Gesetz­ge­ber und erlaubt klei­ne­re Abwei­chun­gen. Nach dem Mot­to ‘Darf es etwas mehr sein?’ bie­tet der Händ­ler uns auch heu­te noch ger­ne sei­ne Ware an. Hier han­delt es sich um ein gegen­sei­ti­ges Ein­ver­ständ­nis beim Geben und Neh­men. Wird die Ware jedoch unge­wollt etwas schwe­rer oder leich­ter, dann han­delt es sich um ’stark ein­ge­schränk­te’ Feh­ler­gren­zen beim Abwie­gen von Wäge­gut. Wie die­se Feh­ler­gren­zen fest­ge­legt sind, was es von Her­stel­ler- und Kun­den­sei­te zu berück­sich­ti­gen gibt, und wel­che Vor­schrif­ten die Feh­ler­gren­zen regeln fin­den Sie hier vorgestellt.

Begriffsdefinition

Vie­le ver­wech­seln den Begriff Feh­ler­gren­zen ger­ne mit den Ver­kehrs­feh­ler­gren­zen und erle­ben schon mal eine böse Über­ra­schung, wenn dies bei der Kon­trol­le durch das Eich­amt fest­ge­stellt wird. Die Ver­kehrs­feh­ler­gren­zen, die das Dop­pel­te der übli­chen Feh­ler­gren­zen aus­ma­chen, befin­den sich, aus der Betrach­tung des Eich­ge­set­zes, zwar immer noch im Tole­ranz­be­reich, jedoch kann das Über­ge­hen der Waa­ge in den Ver­kehrs­feh­ler­gren­zen-Level für den Händ­ler hohe Ver­lus­te bedeu­ten. Dies gilt ins­be­son­de­re für hoch­wer­ti­ges Wäge­gut, für das er ent­we­der man­gels kor­rek­tem Gewicht eine zu gerin­ge Zah­lung erhält oder zu den kor­rek­ten Beträ­gen dann ver­se­hent­lich mehr Ware herausgibt.

Welcher Wert bestimmt die Fehlergrenzen bei geeichten Waagen?

Für geeich­te Waa­gen ist bei den Feh­ler­be­schrän­kun­gen der Eich­wert rele­vant. Die erlaub­te und zuläs­si­ge Gewichts­ab­wei­chung im Plus- und Minus­be­reich wird bei der Eichung wäh­rend der Jus­tie­rung bereits ein­kal­ku­liert. Die Abwei­chun­gen sind vom Gewicht abhän­gig und stei­gen mit dem Wäge­be­reich der Waa­ge an. Der soge­nann­te Ver­kehrs­feh­ler einer Waa­ge beträgt das Zwei­fa­che der erlaub­ten Feh­ler­gren­ze. Gül­tig sind die­se Wer­te, bezo­gen auf zuläs­si­ge Abwei­chun­gen einer geeich­ten Waa­ge, wäh­rend der Eich­frist. Die Feh­ler­gren­zen, sind unter­teilt in 3 Genauigkeitsklassen:

  • Genau­ig­keits­klas­se I,
  • Genau­ig­keits­klas­se II,
  • Genau­ig­keits­klas­se III.

Ermit­telt wer­den die Feh­ler­gren­zen über 2 Wer­te. Der ers­te und wich­tigs­te Wert der Tabel­le für Feh­ler­gren­zen ist “e” (e = Eich­wert). Der zwei­te Wert ist “m” (m = Belas­tung). Bei der Eichung einer Waa­ge darf der Anzei­ge­feh­ler die Feh­ler­gren­ze nicht über­stei­gen. Der Fach­be­griff dafür ist die Eich­feh­ler­gren­ze. Kom­men geeich­te Waa­gen zum Ein­satz, ver­hält sich das mit den Feh­ler­be­gren­zun­gen für geeich­te Waa­gen, bezo­gen auf die drei Genau­ig­keits­klas­sen gemäß der ‘Richt­li­nie 2014/31/EU’, so:

  • Genau­ig­keits­klas­se I: 0 50000 e 200000 e
  • Genau­ig­keits­klas­se II: 0 5000 e 20000 e
  • Genau­ig­keits­klas­se III: 0 500 e 2000 e

Neben den auf­ge­führ­ten Genau­ig­keits­klas­sen gibt es noch die ‘Genau­ig­keits­klas­se IV’. Die­se kommt jedoch eher sel­ten zur Anwen­dung. Auch hier sind die Feh­ler­gren­zen ent­spre­chend ange­passt. Für den Lai­en, der unmög­lich die gesam­ten Vor­schrif­ten und Geset­ze der Wäge­tech­nik ken­nen kann und muss, fin­den aus­schließ­lich die genann­ten Feh­ler­gren­zen in der Wäge­tech­nik Anwendung.

Wer prüft die Einhaltung der Fehlergrenzen von geeichten Waagen im Handel / in der Industrie?

Bei der Ers­tei­chung wer­den die Feh­ler­gren­zen durch den Her­stel­ler­un­ter peni­bler Ein­hal­tung sämt­li­cher Vor­schrif­ten und Geset­ze mit­be­rück­sich­tigt. Die ‘Nach­ei­chung’ über­nimmt das Eich­amt nach Ablauf der Eichungs­gül­tig­keit. Doch ist eine Ware häu­fig in Gebrauch, muss schon mal nach­jus­tiert wer­den. Wer ganz sicher­ge­hen will, dass es hier kei­ne grö­ße­ren Abwei­chun­gen zu den vor­ge­schrie­be­nen Feh­ler­gren­zen gibt, wen­det sich mit einer Zwi­schen­kon­trol­le an den Her­stel­ler, der eine Jus­tie­rung vor­neh­men kann. Unter Umstän­den kön­nen spe­zi­el­le vom Eich­amt aner­kann­te Unter­neh­men eine Kon­trol­le der Feh­ler­gren­zen wäh­rend der ers­ten Gül­tig­keits­pha­se durch­füh­ren. Haben Sie den Ein­druck, Ihre Waa­ge ist so stark bean­sprucht, dass es zu grö­ße­ren Fehl­zah­len bei den Men­gen- oder Gewichts­ab­wei­chun­gen kommt, ist es rat­sam, eine soge­nann­te Zwi­schen­kon­trol­le in Auf­trag zu geben.

Wann muss eine neue Justierung der geeichten Waage erfolgen?

Die grund­sätz­lich durch den Her­stel­ler vor­ge­nom­me­ne Eichung von Waa­gen hat eine grund­sätz­li­che Eich­gül­tig­keit für zwei Jah­re. Im Anschluss erfolgt eine neue Jus­tie­rung. Jedoch ist die Gül­tig­keits­dau­er auch abhän­gig von der höchst­mög­li­chen Wäge­last einer Waa­ge. So reicht die 2‑Jah­res-Gül­tig­keit für Waa­gen bis zu 2.990 kg aus, wäh­rend die Eich­gül­tig­keit für Waa­gen ab 3.000 kg sogar drei Jah­re beträgt. Für Spe­zi­al­waa­gen gel­ten jedoch ande­re Eich­in­ter­val­le. Die­se gestal­ten sich aktu­ell wie folgt:

  • medi­zi­ni­sche Waa­gen im Kran­ken­haus, Baby­waa­gen in Arzt­pra­xen und Kran­ken­haus: vier Jahre;
  • Bet­ten­waa­gen im Kran­ken­haus: zwei Jahre;
  • Dezimal‑, Lauf­ge­wichts- und Tafel­waa­gen: vier Jahre

Han­delt es sich um die Neu­an­schaf­fung einer Waa­ge, deren Eichung grund­sätz­lich vom Waa­gen-Her­stel­ler vor­zu­neh­men ist, beginnt die Gül­tig­keits­dau­er der Eichung ab dem Jahr der Ers­tei­chung, bei einer spä­te­ren Eichung durch das Eich­amt ab dem Jahr der Eichung.

Der Ablauf der Eichgültigkeit

Bei Ablauf der Eich­gül­tig­keit für geeich­te Waa­gen ste­hen Sie als Besit­zer, Nut­zer der Waa­ge, in der Pflicht die ‘Nach­ei­chung’ Ihrer Waa­ge recht­zei­tig beim für Ihr Bun­des­land zustän­di­gen Eich­amt zu bean­tra­gen. Als Besit­zer einer Waa­ge waren Sie es bis­her ver­mut­lich gewohnt, dass der Eich­be­am­te von selbst in Ihr Geschäft/Unternehmen kam, um die Eichung vor­zu­neh­men. Das kann auch heu­te noch vor­kom­men. Doch das neue Eich­recht ver­pflich­tet die Waa­gen-Besit­zer zu einer 10-Wochen-Frist zur Bean­tra­gung der Eichung. Wie Ihnen bekannt ist, gel­ten Eichun­gen immer bis zum Jah­res­en­de eines fest­ge­leg­ten Jah­res. Dem­nach bean­tra­gen Sie die Nach­ei­chung für bereits geeich­te Waa­gen bis spä­tes­tens Mit­te Okto­ber des­sel­ben Jah­res der Eich­fäl­lig­keit. So sieht es der § 37 Abs. 3 Mes­sEG (Mess- und Eich­ge­setz) vor.

FAQs As-Wägetechnik –Fehlergrenzen für geeichte Waagen

Wie funktioniert das Wägen mit Toleranzbereich und Fehlergrenzen?

Der obe­re und unte­re Grenz­wert ist vor­ab vom Her­stel­ler pro­gram­mier­bar. Dazwi­schen befin­det sich der Bereich, in dem ‘zah­len­mä­ßig’ gewo­gen wird.

Was ist noch zu berücksichtigen, um die Fehlergrenzen im ‘grünen Bereich’ zu halten?

Die Über- oder Unter­schrei­tung von Feh­ler­gren­zen ent­steht nicht nur beim übli­chen Wäge­vor­gang. Eini­ge wei­te­re Fak­to­ren sind hier maßgeblich:

  • Stör­fes­tig­keit der Waa­ge gegen elek­tro­ma­gne­ti­sche Strah­len (Falsch­an­zei­ge möglich);
  • Erd­an­zie­hung: die meis­ten Waa­gen wer­den stand­ort­ab­hän­gig geeicht, da die Erd­an­zie­hung an jedem Ort der Erde unter­schied­lich aus­fal­len kann;
  • Waa­gen mit Jus­tier­au­to­ma­tik: funk­tio­nie­ren meis­tens an jedem Ort.

Unterliegt jede Waage dem Eichgesetz?

Nur Waa­gen, die eine Bau­art­zu­las­sung haben, dür­fen und kön­nen geeicht wer­den. Dem vor­an geht ein sehr stren­ges Prüf­ver­fah­ren, ob die Waa­ge den eich­tech­ni­schen Anfor­de­run­gen ent­spricht. Erhält eine Waa­ge die­se Bau­art­zu­las­sung nicht, kann die­se nicht geeicht wer­den. Da geeich­te Waa­gen, zumin­dest in Euro­pa, per Gesetz vor­ge­schrie­ben sind, soll­ten Waa­gen ohne Bau­art­zu­las­sung auch nicht ver­wen­det wer­den. Dies dient vor allem auch dem Schutz der Ver­brau­cher. Sie dür­fen dies ger­ne ver­glei­chen mit einem Fahr­zeug und dem TÜV. Kommt Ihr Fahr­zeug nicht durch den TÜV, darf es auch nicht auf die Straße.

Fazit

Der Her­stel­ler gibt die Jus­tie­rung einer Waa­ge per Eichung vor. Der Händ­ler steht in der Pflicht, Feh­ler­gren­zen ein­zu­hal­ten. Eben­falls plat­ziert er das Wäge­gut ordent­lich auf der Waa­ge und hält sich an die Wäge­be­din­gun­gen. Letzt­end­lich hat aber der Käu­fer einer Ware, ganz gleich, ob es sich um feins­te Edel­me­tal­le han­delt oder schwer­ge­wich­ti­ge Maschi­nen, das Recht, das Gewicht unter Berück­sich­ti­gung von Feh­ler­gren­zen selbst zu über­prü­fen oder kon­trol­lie­ren zu las­sen. Gerin­ge Abwei­chun­gen inner­halb der Feh­ler­gren­zen gehen mal zu Las­ten oder Freu­de des Kun­den und mal hat der Händ­ler das Nach­se­hen oder einen gering­fü­gi­gen Gewinn. Eines ist jedoch gewiss, hal­ten sich Händ­ler nicht an die vor­ge­ge­be­nen Feh­ler­gren­zen, kann dies zu Buß­gel­dern füh­ren, falls eine Kon­trol­le durch das Eich­amt erfolgt.

Hea­der­bild: © Shutterstock/ Oli­vi­er Le Moal 

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