Wissenswertes zu Prüfgewichten von Waagen

Wissenswertes zu Prüfgewichten für Waagen

Hoch­auf­lö­sen­de Labor­waa­ge, robus­te Indus­trie­waa­ge oder Fahr­zeug­waa­ge für Schwer­trans­por­ter – für jeden Bedarf gibt es die pas­sen­de Mess­tech­nik. Im Auf­bau und Mess­prin­zip unter­schei­den sich die ver­schie­de­nen Waa­gen zum Teil erheb­lich, aber in jedem Fal­le sor­gen Prüf­ge­wich­te für Waa­gen dafür, dass Sie sich auf das ange­zeig­te Mess­ergeb­nis ver­las­sen kön­nen. Bei der Aus­wahl und beim Umgang mit Prüf­ge­wich­ten gibt es eini­ge wich­ti­ge Din­ge und Vor­ga­ben zu beach­ten.

Was sind Prüfgewichte?

Als Prüf­ge­wich­te wer­den Gewichts­stü­cke bezeich­net, die heu­te über­wie­gend zum Über­prü­fen der Mess­ge­nau­ig­keit elek­tro­ni­scher Waa­gen ein­ge­setzt wer­den. Ein Prüf­ge­wicht ist das Nor­mal, mit dem der Wert, den eine Waa­ge anzeigt, ver­gli­chen wird. Für die unter­schied­li­chen Ein­satz­ge­bie­te, Mess­be­rei­che und Genau­ig­keits­klas­sen gibt es pas­sen­de Prüf­ge­wich­te. Vie­le Her­stel­ler bie­ten Prüf­ge­wich­te für Waa­gen als Satz an. Es gibt aber auch ein­zel­ne Prüf­ge­wich­te aus unter­schied­li­chen Werk­stof­fen und in meh­re­ren Bau­for­men.

Einsatz der Prüfgewichte für Waagen beim Kalibrieren und Justieren

Jus­tie­ren und Kali­brie­ren sind Ver­fah­ren der Mess­tech­nik, mit denen die Mess­ge­nau­ig­keit von Waa­gen oder ande­ren Mess­mit­teln über­prüft wird. Beim Kali­brie­ren einer Waa­ge wird mit­hil­fe des Prüf­ge­wich­tes die Abwei­chung des ange­zeig­ten Mess­wer­tes über­prüft. Die­se Über­prü­fung erfolgt mehr­fach, um unter bestimm­ten Umge­bungs­be­din­gun­gen einen repro­du­zier­ba­ren Wert zu ermit­teln. Ein Ein­griff in das Gerät erfolgt nicht, die Waa­ge bleibt beim Kali­brie­ren unver­än­dert. Die Abwei­chung zwi­schen dem bekann­ten Wert der Prüf­ge­wich­te für Waa­gen und dem ange­zeig­ten Mess­wert wird doku­men­tiert, um ihn bei jeder fol­gen­den Mes­sung zu berück­sich­ti­gen. Die­ses Doku­ment wird als Kali­brier­schein oder Kali­brier­zer­ti­fi­kat bezeich­net. Die Kali­brie­rung von Waa­gen soll­te aus­schließ­lich von ent­spre­chend qua­li­fi­zier­ten Per­so­nen vor­ge­nom­men wer­den. Die meis­ten Nut­zer von Waa­gen aus dem Bereich der For­schung oder Wirt­schaft nut­zen den Ser­vice spe­zi­el­ler Ein­rich­tun­gen oder Labors, um ihre Mess­tech­nik fach­ge­recht kali­brie­ren zu las­sen und eine hohe Mess­ge­nau­ig­keit zu gewähr­leis­ten.

Beim Jus­tie­ren erfolgt im Unter­schied zum Kali­brie­ren ein Ein­griff in die Waa­ge. Das Jus­tie­ren einer Waa­ge ist bei­spiels­wei­se nach einem Trans­port oder einer mecha­ni­schen Ein­wir­kung auf das emp­find­li­che Mess­ge­rät erfor­der­lich. Mit Hil­fe der Prüf­ge­wich­te für Waa­gen wird die Waa­ge so ein­ge­stellt, dass sie nach dem Jus­tie­ren den Nenn­wert des Prüf­ge­wich­tes anzeigt. In moder­nen Waa­gen sind häu­fig inter­ne Prüf­ge­wich­te ent­hal­ten, die eine auto­ma­ti­sche Jus­tie­rung der Waa­ge ermög­li­chen.

Im umgangs­sprach­li­chen Gebrauch wird gele­gent­lich statt Kali­brie­rung von Eichung einer Waa­ge gespro­chen. Die Eichung einer Waa­ge ist jedoch eine hoheit­li­che Auf­ga­be und kann aus­schließ­lich von einer zustän­di­gen Behör­de vor­ge­nom­men wer­den. Bei der Eichung – die frist­ge­mäß wie­der­holt wer­den muss – wird fest­ge­stellt, ob die Waa­ge (bezie­hungs­wei­se ein ande­res Mess­mit­tel) mit der natio­na­len Norm kon­form ist. Bei­spiels­wei­se dür­fen beim Abwie­gen von Waren, die vom Han­del an End­ver­brau­cher ver­kauft wer­den, aus­schließ­lich eich­fä­hi­ge Waa­gen zum Ein­satz kom­men. Auf die­se Wei­se wird sicher­ge­stellt, dass der Ver­brau­cher exakt die Men­ge einer Ware erhält und bezahlt, die auf der Ver­pa­ckung ange­ge­ben ist.

Die Genauigkeitsklassen von Prüfgewichten

Prüf­ge­wich­te wer­den ent­spre­chend der inter­na­tio­na­len OIML Richt­li­nie R 111 in ver­schie­de­ne Genau­ig­keits­klas­sen unter­teilt. Hin­ter dem Kür­zel OIML steht die inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­ti­on für das gesetz­li­che Mess­we­sen. Die­se 1955 in Paris gegrün­de­te Orga­ni­sa­ti­on gibt unter ande­rem Emp­feh­lun­gen für den Bereich der Wäge­tech­nik her­aus. Die­se Vor­ga­ben wer­den von den meis­ten natio­na­len Ein­rich­tun­gen bei der Erar­bei­tung der für die ein­zel­nen Län­der gel­ten­den Nor­men berück­sich­tigt. Gemäß Richt­li­nie R 111 wer­den Prüf­ge­wich­te für Waa­gen in die Genau­ig­keits­klas­sen E1 bis M3 geglie­dert, wobei E1 der höchs­ten Genau­ig­keits­klas­se ent­spricht. M3 kenn­zeich­net Prüf­ge­wich­te für Waa­gen mit der nied­rigs­ten Genau­ig­keit.

Die passenden Prüfgewichte für Waagen auswählen

Prüf­ge­wich­te für Waa­gen mit der Genau­ig­keits­klas­se E1 genü­gen höchs­ten Anfor­de­run­gen hin­sicht­lich der Mess­ge­nau­ig­keit und soll­ten immer mit einem DAkkS-Kali­brier­schein genutzt wer­den. Das heißt, die Kali­brie­rung soll­te von einem Kali­brier­la­bor vor­ge­nom­men wer­den, das durch die Deut­sche Akkre­di­tie­rungs­stel­le (DAkkS) akkre­di­tiert wur­de.

Für hoch­auf­lö­sen­de Ana­ly­sen­waa­gen sind sehr genaue Prüf­ge­wich­te der Genau­ig­keits­klas­se E2 geeig­net. Prüf­ge­wich­te der Genau­ig­keits­klas­sen F1 oder F2 kom­men in der Regel beim Kali­brie­ren von Prä­zi­si­ons­waa­gen zum Ein­satz. Für Indus­trie­waa­gen oder Waa­gen, die im Han­del genutzt wer­den, soll­ten Sie Prüf­ge­wich­te der Genau­ig­keits­klas­se M1 nut­zen.

Zulässige Fehlergrenzen

In der OIML Richt­li­nie R 111 sind eben­falls für jede Genau­ig­keits­klas­se die zuläs­si­gen Feh­ler­gren­zen ange­ge­ben. Falls die Prüf­ge­wich­te für Waa­gen kei­nen DAkkS-Kali­brier­schein haben, wird die­se Tole­ranz mit der Mess­un­si­cher­heit des Prüf­ge­wichts gleich­ge­setzt. Am Bei­spiel eines 1 g Prüf­ge­wich­tes lässt sich ver­deut­li­chen, wie sich die Fer­ti­gungs­to­le­ran­zen von der Genau­ig­keits­klas­se E1 bis M3 ver­än­dern. Bei einem 1 g Prüf­ge­wicht der Genau­ig­keits­klas­se E1 liegt die Feh­ler­gren­ze bei ± 0,010 mg. Bei der Klas­se F1 beträgt die Tole­ranz ± 0,10 mg und bei der Genau­ig­keits­klas­se M3 liegt die Feh­ler­gren­ze bei ± 10 mg.

Pflege der Prüfgewichte

Es ist ein­leuch­tend, dass es auf­wen­dig und kost­spie­lig ist, Prüf­ge­wich­te für Waa­gen aus hoch­wer­ti­gen Mate­ria­li­en mit hoher Prä­zi­si­on her­zu­stel­len. Ob Sie sich ein ein­zel­nes Prüf­ge­wicht oder einen Gewichts­satz anschaf­fen – in jedem Fal­le soll­ten Sie die wert­vol­len Prüf­ge­wich­te für Ihre Waa­gen sehr sorg­sam und pfleg­lich behan­deln. Prüf­ge­wich­te dür­fen Sie nie mit blo­ßen Hän­den berüh­ren. Klei­ne Prüf­ge­wich­te wer­den mit der Pin­zet­te ent­nom­men und auf­ge­legt. Bei grö­ße­ren Prüf­ge­wich­ten schüt­zen spe­zi­el­le Hand­schu­he, die aus­schließ­lich für die­sen Zweck ver­wen­det wer­den, die Ober­flä­che der Gewichts­stü­cke vor dem Kon­takt mit Schweiß oder Haut­fett. Soll­te eine Rei­ni­gung der Prüf­ge­wich­te erfor­der­lich sein, kom­men wei­che Pin­sel zum Ein­satz, um den Staub zu ent­fer­nen. Wich­tig ist eben­falls eine siche­re Auf­be­wah­rung. Prüf­ge­wich­te für Waa­gen soll­ten Sie nach dem Gebrauch immer im Etui, gepols­ter­ten Kof­fer oder in der vom Her­stel­ler mit­ge­lie­fer­ten Ein­zel­ver­pa­ckung ver­stau­en.

Hea­der­bild: © Shutterstock/ And­rei Mayat­nik

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